Elf(e)

Guardian of fountain

Border Collies

Guardian of fountain Easy's sweet little Elf - Elfe

Hündin

black/white, langhaar

VDH/ZBrH BOC 20178

Geburtsgewicht: 333 g - Liver Shunt -

 

Elfe lebt derzeit bei ihrer Familie. Sie bleibt aufgrund ihrer Erkrankung vorerst unserer Hund.

 

PSS - Portosystemischer Shunt (Lebershunt)

 

Unsere kleine heile Welt, am Montag stand sie für einen Moment still. Guardian of fountain Easy’s sweet little Elf, die kleine Elfe oder auch Fire; wie ihre Mutter der Hans-Dampf in allen Gassen, die Kleinste im Wurf und doch ein Wirbelwind wie aus dem Bilderbuch … 16 Wochen hatten wir den Eindruck, dass sie eine gesunde, muntere, kleine Border-Dame sein würde. Dann am Montag die niederschmetternde Diagnose: PSS - Portosystemischer Shunt (Lebershunt) - eine angeborene Fehlentwicklung. Ihr Blut fließt nicht wie vorgesehen durch die Leber sondern an der Leber vorbei. Das kann verschiedene Gründe haben, z. B. ein überflüssiges Gefäß außerhalb der Leber oder eine Verschachtelung von Kanälen, die in der Leber das Blut nicht in ausreichendem Maß abgeben. Fakt ist, die Leber kann die im Blut vorhandenen Giftstoffe, die neben den Nährstoffen aus dem Verdauungstrakt aufgenommen werden, nicht herausfiltern. Eins dieser gefährlichen Gifte ist Ammoniak. Kurz gesagt, der Hund vergiftet selbst von innen. Oftmals findet das sehr schleichend statt so wie auch in dem Fall der kleinen Fire-Elfe.

 

Als sie am Freitag zur Urlaubsbetreuung zu uns kam, war ihr Zustand eigentlich ganz normal. Sie war ein bisschen zurückhaltend am Anfang, was wir so nicht von ihr kannten, aber das war auch nicht unbedingt bedenklich, da die Vierbeiner sie ja nun auch nicht mit offenen Armen in Empfang genommen hatten. Ein bisschen Husten war mal kurz zu hören, aber sie war recht unternehmungslustig, hat sich ordentlich mit ihrer Schwester gezofft und ausgiebig mit Mutti auf dem Sofa getobt. Sie war auf den ersten Blick wie immer, der kleine „Horror“ auf vier Pfoten.

 

Am Samstag und Sonntag haben wir sie mitgenommen zum Obedience Turnier. Sie wirkte dort teilweise nicht ganz fit, wollte nicht mit den anderen spielen und dann gab es doch Momente, da war sie da und tobte mit den Schwestern und dem kleinen Dobby rum. Am Sonntagabend war sie dann zu Hause wieder ganz normal, viel zu munter für unseren Geschmack, aber wer sich den ganzen Tag zurückhält, gibt dann ja vielleicht auch abends besonders viel Gas. Dazu hätte man wissen müssen, dass ruhiges Verhalten, schnell müde werden und träge sein, ein erstes Anzeichen für diesen Defekt sind. Auch ist es typisch, dass Hunde mit einem Shunt in vielen Momenten ganz normal erscheinen, was daran liegt, dass die Vergiftung einige Zeit nach der Nahrungsaufnahme am stärksten ist und sich der Zustand, wenn durch Kotabsatz einige Giftstoffe wieder aus dem Körper ausgeschieden wurden, deutlich bessern kann. Und so war sie nun Sonntagabend voller Tatendrang, bekam ihre Mahlzeit und legte sich dann etwas später ruhig und zufrieden in ihre Box, wie es schien. Die Mahlzeit – es gab bei uns als Barfer natürlich Frischfleisch - war etwas üppiger ausgefallen, weil wir über den Tag verteilt auf den Spaziergängen nur ein bisschen gefüttert hatten.

 

Die Nacht verlief ruhig. Sie musste nicht raus, man hörte sie nicht und wir dachten noch so, das ist aber eine wirklich liebe Maus, gerade auch weil sie nach dem Aufstehen nicht wie ihre Schwester an der Boxentür kratzte und raus wollte. Ich dachte okay, dann machen wir sie mal wach. Sie war bereits wach, aber alles andere als anwesend. Nass gespeichelt, wackelig auf den Beinen und auf Ansprache kam nur ein schwaches Wedeln. Das hier was nicht stimmt, war nicht zu übersehen. Tierärztin angerufen, Hund eingepackt und 45 Minuten später waren wir in Osnabrück. Sie freute sich im Wartezimmer über die tollen Menschen, die nett zu ihr waren und 5 Minuten später hing sie schon wieder schlapp in unseren Armen. Im Untersuchungsraum stellten wir dann fest, dass aus dem „wackelig auf den Beinen“ neurologische Ausfallerscheinungen geworden waren, fehlende Koordination von Vor- und Hinterhand, an der Wand entlang gehen damit man nicht umfällt, mit dem Kopf an Stuhl- und Tischbeinen hängen bleiben und zudem konnte sie den Kopf gerade beim Sitzen nicht aufrecht halten. Nach der ausgiebigen Untersuchung und dem Blutschnelltest, der erhöhte Leberwerte zeigte, sagte unsere Tierärztin sofort, dass sie uns gerne in eine Klinik überweisen würde, wo halt weitere Tests gemacht werden könnten, als die, die bei ihr möglich sind. Sie sprach bereits von der Möglichkeit eines Lebershunts auch wenn eigentlich ein zu niedriger Leberwert dafür sprechen würde und von daher wäre es wichtig, dass wir nicht einfach auf Verdacht irgendwas geben. Der Bericht wurde gefertigt und sie hatte uns bereits in der Kleintierklinik Greven angemeldet.

 

In Greven angekommen, hatte sich der Zustand von der kleinen Fire-Elfe nochmals verschlechtert. Sämtliche Reflexe waren nicht mehr vorhanden. Sie reagierte kaum auf Ansprache, stehen aus eigener Kraft war nicht mehr möglich und keinerlei Reaktion auf optische Reize. Sie war blind. Das Sehvermögen war komplett ausgefallen. Der Speichel tropfte ihr unaufhörlich aus dem Maul und plötzlich Panik; sie versuchte sich loszureißen und biss rund um sich zu. Dann fiel sie wieder in diesen fast komatösen Zustand. Wie nur konnte sich ihr Zustand in so kurzer Zeit so dramatisch verschlechtern? Es ist ein herantasten, die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, wie die Ärztin es ausgedrückt hat, den Grund für all das zu finden. In dieser Verfassung war längst nicht mehr alles möglich. An eine Narkose und ein CT wäre nicht zu denken gewesen. Sie hätte das nicht überlebt. Dann kam das Ergebnis des zu Beginn abgenommen Blutes, u. a. wurde der Ammoniak-Gehalt im Blut getestet. Das Ergebnis: Der Wert liegt oberhalb des messbaren Bereichs. Der Test wurde 2 x gemacht um sicher zu sein, dass mit dem Gerät alles stimmt und wieder das Ergebnis: Der Wert liegt oberhalb des messbaren Bereichs. Damit hatte sich der anfängliche Verdacht sehr schnell bestätigt: PSS - Portosystemischer Shunt

 

Ich war nicht mehr wirklich anwesend und aufnahmefähig. Das einzige was ich über Lebershunt bisher wusste war: junger Hund – tot. Irgendwie hat Dirk es dann aber geschafft, dass ich wenigstens wieder etwas zu mir gekommen bin und aufnahmefähig war. Die Chancen für die kleine Elfe waren zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich gut. Ihr Zustand war sehr kritisch. Sie war total unterzuckert und kurz davor ins Koma zu fallen. Die Prognose, dass sie sich erholen würde und dass sie einen Shunt hat, der vielleicht sogar zu operieren wäre, war zu diesem Zeitpunkt eher schlecht, gerade auch weil der Ammoniakgehalt so enorm hoch war. Allerdings konnte man auch nicht ganz ausschließen, dass sie sich erholen würde und mit ganz viel Glück der Shunt außenliegend und nicht bzw. wenig verschachtelt ist, so dass eine OP möglich wäre.

 

Die Möglichkeiten die uns blieben, waren:

  • Hier und jetzt zu sagen, wir möchten dem Hund jedes weitere Leiden ersparen

oder aber

  • hoffen, dass sie kämpft und ihre Chance nutzt. Wenn das der Fall wäre, bestünde immer noch die Möglichkeit, dass die Diagnostik einen Shunt zeigt, der so ungünstig liegt oder so verzweigt ist, dass eine OP ausgeschlossen ist. Die Folgen wären dann, zu sagen, sie geht ein oder zwei Tage später oder aber man versucht sie mit Medikamenten so lange am Leben zu halten, bis diese Medikamente oder die weiterhin schleichende Vergiftung ihr übriges tun. Sie würde dann aber mit großer Wahrscheinlichkeit, wenn es gut läuft, nicht älter als ein Jahr werden. Ihre körperliche Entwicklung würde, wie bereits jetzt in Ansätzen zu sehen, deutlich zurück bleiben und könnte andere Schäden bzw. Schmerzen zur Folge haben.

 

So tief der Schock auch saß, Dirk und ich waren uns einig, dass sofern sie auch nur den Hauch einer Chance hat, sie diese auch bekommen soll. Niemand, auch nicht „nur“ ein Hund sollte aus Bequemlichkeit gehen müssen. Wir sind dafür verantwortlich, dass sie auf der Welt ist, dass es sie gibt. Wir als Züchter haben diese kleine Elfe „erschaffen“ wenn man es so will und damit haben wir in unseren Augen auch die Pflicht, alles für sie zu tun was irgendwie machbar ist.

 

Die kleine Fire-Elfe blieb somit von Montag auf Dienstag in der Tierklink. Sie bekam Einläufe, um so schnell wie möglich die vergifteten Substanzen auszuscheiden und zudem eine Dauerinfusion um wieder zu Kräften zu kommen. Die Klinik würde sich Dienstagnachmittag melden, wenn abzusehen wäre, ob die Entgiftung anschlägt, sich ihr Zustand bessern würde und man somit durch eine Ultraschalluntersuchung versuchen könnte, den Shunt zu lokalisieren. Für den Fall, dass ihr Zustand sich verschlechtern sollte, hatten wir vereinbart, dass sie sich jederzeit bei uns melden können. Am Montag zuhause wieder angekommen, haben wir wohl jede vorhandene Internet-Seite zum Thema PSS - Portosystemischer Shunt (Lebershunt) einhundertmal aufgerufen um die umfangreichen Informationen, die wir in der Klinik bekommen hatten auch verarbeiten und nachvollziehen zu können.

 

Dienstag klingelte dann schon um kurz vor 10 Uhr das Telefon. Die Klinik? Warum so früh? In einem Bruchteil von Sekunden gehen einem tausend Gedanken durch den Kopf. Es war tatsächlich die behandelnde Ärztin aus Greven und ihre ersten Worte klangen fast euphorisch. Die Elfe hatte sich über Nacht mehr als gut erholt und selbst die Ultraschalluntersuchung konnte schon gemacht werden. Ein recht großer extrahepatischer Shunt, also ein Gefäß welches außenliegend ist, konnte an der rechten Leberseite lokalisiert werden. Sie hat eine echte Chance auf ein (fast) normales Leben. Ob das nun tatsächlich alles ist oder ob es doch noch versteckt eine oder mehrere Verschachtelungen gibt, kann letztendlich nur durch die Voruntersuchungen in der Uni-Klinik Gießen kurz vor der geplanten OP geklärt werden, aber die erste Diagnose bezüglich der Lage ist vielversprechend. Ein solcher Shunt kann selbst bei der Größe, die er aufweist, durch eine OP nach und nach verschlossen werden.

 

Gegen 13.30 Uhr konnten wir die kleine Elfe schon wieder nach Hause holen wo sie direkt mal ihrer Schwester sagen wollte, dass sie wieder da ist und sich nichts mehr gefallen lässt. Sie ist einfach unglaublich und eine so große Kämpferin. Sie bekommt verschiedene Medikamente und wird nach einem speziellen Diät-Plan ernährt, um die Vergiftung so gering wie möglich zu halten. Beides verträgt sie derzeit super und ist fast wieder die „alte“ feurige Elfe. Nun heißt es abwarten und hoffen, dass wir ganz schnell einen OP-Termin an der Uni-Klinik in Gießen bekommen. Bei all der Euphorie über die erste positive Darstellung des Shunts, wissen wir schon, dass sich ihr Zustand jederzeit wieder dramatisch verschlechtern kann und sie nicht mehr in der Verfassung ist, eine OP zu überstehen, dass sich bei der OP Komplikationen ergeben können und das selbst bei einem optimalen Verlauf keine Garantie auf komplette Heilung besteht. Sicherlich ist das alles irgendwo im Hinterkopf, aber wir glauben ganz fest an die kleine Feuer-Elfe und an ihren Lebenswillen.

 

Im Nachhinein betrachtet, ergeben viele Kleinigkeiten, die man einzeln für sich und nicht in der Gesamtheit gesehen hat, einen Sinn

  • Fieber nach der zweiten Impfung
  • leicht stagnierender Wachstum im Vergleich zu den Geschwistern
  • zeitweise ruhiges Verhalten nach dem Toben und Spielen

all das waren die ersten Anzeichen für diese heimtückische Krankheit.

 

Bei all dem, was wir in den letzten Tagen über diese bösartige Laune der Natur erfahren konnten, können wir nur Danke sagen, an unsere Tierärztin, die so einen enormen Weitblick hatte und uns direkt an eine Klinik verwiesen hat. Es ist leider keine Seltenheit, dass Monate vergehen, bis die tatsächliche Diagnose feststeht. Wertvolle Zeit, die über Leben und Tod entscheiden kann. Wir bedanken uns auch bei dem gesamten Team der Kleintierklinik in Greven für die optimale Versorgung der kleinen Feuer-Elfe und für die spürbar ehrlichen Worte. Und wir bedanken uns ganz besonders bei unseren Welpen-Familien aus unseren gesamten Würfen. Ihr wusstet es etwas früher als alle anderen und dass, was ihr uns in den letzten zwei Tagen entgegengebracht habt, ist einfach unglaublich und mit Worten nicht zu beschreiben.

 

Auf die Fragen, ob und inwieweit dieser Defekt einen genetischen Hintergrund hat, werden wir hoffentlich in Gießen ein paar Antworten bekommen und dementsprechend auch unsere Konsequenzen daraus ziehen.

 

Heute, 3 Tage nach dem Befund, ist ihr Zustand stabil und wir hoffen, dass wir durch die Medikamente und die strenge Diät diesen Zustand bis zur OP halten können. (Stand 13.10.216)

 

Neues von der kleinen Feuerelfe.

 

Heute waren wir in Utrecht in der Uni-Klinik, da wir in Gießen mehr als 3 Monate auf einen Termin warten müssten :-(

 

Leider konnte nach den Voruntersuchungen keine abschließende Diagnose gestellt werden, ob eine OP nun möglich ist oder nicht. Fest steht, dass es sich um ein recht großes Gefäß außerhalb der Leber handelt, allerdings liegt der Eingang des Shunts so ungünstig, dass man diesen mit dem Ultraschall nicht darstellen kann. Es kann also immer noch sein, dass zwar der Hauptteil des Gefäßes außenliegend ist, der Eingang sich aber innenliegend befindet, was die ungünstigere Prognose wäre. Da die kleine Feuerelfe nicht so lange ohne Futter bleiben kann, hat man sich dort entschieden, beide Untersuchungen nicht an einem Tag zu machen und wir werden in gut 3 Wochen erneut nach Utrecht fahren. Dort wird dann durch ein CT der Eingang auf jeden Fall sichtbar sein und es wird die Entscheidung getroffen, ob die OP möglich ist oder doch nicht. Derzeit sprechen aber alle Werte für einen Shunt, der außerhalb der Leber beginnt, was uns ganz viel Hoffnung gibt, dass sie ein ganz normales Leben haben kann.

 

Aufgrund der Tatsache, dass die Diät und die Medikamente wirklich gut anschlagen und keiner merken würde, dass sie in Wirklichkeit so krank ist, haben wir uns mit ihrer Familie zusammen entschieden, dass sie dort vorerst besser aufgehoben ist und mehr Betreuung und Beobachtung bekommt, als dass bei uns möglich ist. (Stand 26.10.2016)

 

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